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Miteinander gegen Fremdenfeindlichkeit

14.3.2010

 

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Dresdner Integrationskonzept
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Information zum Konzept zur Integration von Migrantinnen und Migranten in Dresden (Integrationskonzept)

Auf seiner Sitzung vom 20.12.04 beschloss der Runde Tisch Integration, den MigrantInnen unserer Stadt, eine kurz gefasste Information über den Inhalt des Integrationskonzepts der Stadt Dresden in mehreren Sprachen zur Verfügung zu stellen.

Hier veröffentlichen wir den deutschen Text (J. Stoll). die englische Übersetzung (K. Cook)sowie die arabische Übersetzung (I. Sayad und N. Yacoub) finden Sie in unserem Newsletter Nr. 3. Weitere Übersetzungen werden in Französisch, Spanisch, Russisch und Portugiesisch folgen. Die Übersetzung erfolgt mit Unterstützung des Ausländerbeirates der Stadt Dresden sowie des Ausländerrates Dresden e.V.

Wozu brauchen wir ein Integrationskonzept?

Integration ist ein Begriff, über den auch in Dresden öffentlich schon lange gesprochen wird. Unklar blieb aber, was Integration bedeutet, wer dafür verantwortlich ist und wer sich in welche Richtung integrieren soll.

Um allen Beteiligten am Integrationsprozess einen Leitfaden zu geben, wurde 2003 auf Beschluss des Stadtrates ein Konzept zur Integration von Migrantinnen und Migranten in Dresden entwickelt (Integrationskonzept). Daran mitgearbeitet haben die Dresdner Ausländerbeauftragte, viele Dresdner Vereine und Behörden.

Das Integrationskonzept ist eine politische Willensbekundung, kein Gesetz. Aber es bietet einen Rahmen für die Integrationspolitik der Landeshauptstadt Dresden und für die Integrationsbemühungen aller hier lebenden Migranten. Da Integration ein Prozess ist, dessen Rahmenbedingungen sich ständig ändern, muss auch das Integrationskonzept ständig auf seine Wirksamkeit geprüft und immer wieder aktualisiert werden.

Auch ALLE in Dresden lebenden MIGRANTINNEN sind nun aufgefordert, sich für dieses Konzept zu interessieren, an seiner Umsetzung mitzuarbeiten, es mit neuen Ideen zu beleben und Aktualisierungen anzumahnen! Sie können sich bei den verschiedenen Migrantenorganisationen und interkulturellen Vereinen oder bei der Beauftragten für Migration im Dresdner Rathaus über den vollständigen Text des Integrationskonzeptes und erste Schritte zur Umsetzung informieren.

Was versteht das Dresdner Konzept unter Integration?

Das Integrationskonzept beschäftigt sich mit der Integration von Zuwanderern, die dauerhaft oder zumindest für einen längeren Zeitraum offiziell in Dresden leben. Entscheidend für ein Anrecht auf integrationsfördernde Maßnahmen ist der rechtliche Status der Migrantinnen und Migranten.

Integration orientiert sich am Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Die dort festgelegten Grundwerte – Menschenrechte, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung, Gleichstellung von Mann und Frau, die Trennung von Kirche und Staat - und die rechtliche und politische Ordnung der Gesellschaft bilden die Grenzen des Pluralismus. Integration ist eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft. Integration verlangt von Zuwanderern nicht Assimilierung, nicht die Aufgabe der eigenen Identität. Ziel ist die Herstellung der Chancengleichheit aller Mitglieder der Gesellschaft. Integration betont die Potentiale, nicht die Defizite der einheimischen und zugewanderten Bevölkerung. Die besonderen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Zuwanderer, ihre Ideen und ihre kulturellen Traditionen sollen für die ganze Gesellschaft nutzbar gemacht werden. Integration ist eine Querschnittsaufgabe in allen gesellschaftlichen Bereichen.

Die Förderung der Integration von Migrantinnen und Migranten ist auch auf kommunaler Ebene umzusetzen. Praktische Integrationsarbeit findet am Wohnort, in der Kommune, statt und muss hier gefördert und gefordert werden. Der gleichberechtigte Zugang der Migrantinnen und Migranten zum Wohnungs- und Arbeitsmarkt, zu Bildung, Kultur und sozialen Leistungen sowie die Teilnahme am politischen und gesellschaftlichen Leben machen Integration erfolgreich.

Die Dresdner Integrationspolitik will in der Stadt ein fremdenfreundliches Klima schaffen, die Bereitschaft der Einheimischen zur Integration Zugewanderter und den Integrationswillen der Migrantinnen und Migranten fördern und für Einheimische und Zugewanderte eine gleichberechtigte Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen erreichen.

Perspektiven, Ziele und Maßnahmen zur Integration

Förderung eines fremdenfreundlichen Klimas in der Stadt - Förderung des Integrationswillens der Migrantinnen und Migranten

Der Dresdner Stadtrat, alle Ämter und Behörden in Dresden werden sachlich mit den Themen Migration und Integration umgehen. Sie werden fremdenfeindlichen Äußerungen und Handlungen und rassistischer Gewalt entgegen treten und Maßnahmen zur Entwicklung von Zivilcourage und gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus fördern. Die Integration von Migrantinnen und Migranten ist Aufgabe aller kommunalen Bereiche. Um den Prozess der Integration von Migrantinnen und Migranten in der Landeshauptstadt Dresden wissenschaftlich zu begleiten, fördert die Stadt Dresden wissenschaftliche Arbeiten zu entsprechenden Themen an Dresdner Hochschulen.

Förderung des Spracherwerbs der Migrantinnen und Migranten

Defizite im Spracherwerb gehen zu Lasten der Kommune. Deshalb wird die Stadt Dresden stärker Verantwortung für den Erwerb deutscher Sprachkenntnisse durch die Migrantinnen und Migranten übernehmen. Die Stadt Dresden setzt sich gegenüber dem Bund und dem Freistaat dafür ein, dass alle Migrantinnen und Migranten Möglichkeiten zum Erlernen der deutschen Sprache erhalten. Die Stadt Dresden wird alternative Finanzierungsmodelle für Sprachkurse suchen und auch EU-Förderprogramme und die ehrenamtliche Arbeit von Vereinen nutzen. Auch Sprachkurse für bisher nicht geförderte Migrantinnen und Migranten sollen ideell unterstützt und ggf. auch materiell und finanziell gefördert werden. Die Stadt Dresden wird die Migrantinnen und Migranten stärker über die Bedeutung des Spracherwerbs und der Integration informieren und die Bereitschaft dazu verstärkt einfordern.

Förderung der Integration in den Stadtteilen

Die Stadt Dresden wird weiterhin geeignete Wohnungen zur Vermittlung an Migrantinnen und Migranten in allen Stadtteilen suchen, um möglichst bedarfsgerecht und weit gestreut vermitteln zu können. Sie fördert interkulturelle Begegnungs- und Beratungsangebote für Migrantinnen, Migranten und Einheimische in den Stadtteilen. Die Arbeit der vorhandenen Beratungsstellen wird unterstützt und weiter qualifiziert. Im Umfeld von Übergangswohnheimen für Asylbewerberinnen, Asylbewerber und Flüchtlinge betreibt die Stadt eine aktive Informationspolitik, um Vorurteile der einheimischen Bevölkerung abzubauen. Die Stadt Dresden wird die gesetzlichen Möglichkeiten nutzen, um langjährig in der Stadt lebende Asylbewerberinnen und Asylbewerber sowie Personen mit Duldung, insbesondere Familien mit Kindern, Kranke und Traumatisierte, in Wohnungen unterzubringen.

Förderung von Berufsausbildung und Arbeitschancen
für Migrantinnen und Migranten

Die Stadt Dresden wird in ihrer Öffentlichkeitsarbeit auf den Leistungswillen und die Fähigkeiten der Migrantinnen und Migranten hinweisen sich gegen Diskriminierung von Migranten auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt einsetzen. Unternehmern und die IHK sollen diese Anliegen unterstützen. Projekte zur beruflichen Orientierung und zum berufsbezogenen Spracherwerb von Migrantinnen und Migranten sollen gefördert und die berufliche Ausbildung Jugendlicher unabhängig vom vorhandenen Aufenthaltsstatus unterstützt werden. Im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten wird die Stadt Dresden auch alternative Beschäftigungs- und Bildungsangebote für Asylbewerberinnen, Asylbewerber und Geduldete fördern. Die Stadt Dresden wird sich gegenüber dem Land und dem Bund für transparentere und einfachere Regelungen zur Anerkennung von Bildungs- und Berufsabschlüssen von Migrantinnen und Migranten einsetzen.

Förderung der Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Für Stadtteile mit hohem Migrantenanteil werden besondere Konzepte zur Integration der Kinder und Jugendlichen erarbeitet und umgesetzt. Die Bereitstellung von Kita- und Hortplätzen für Kinder von Migrantinnen und Migranten, einschließlich Asylbewerberinnen, Asylbewerber und Geduldete, wird weiterhin garantiert. Die Stadt Dresden achtet darauf, dass „Die sächsische Konzeption zur Integration von Migranten" vom 1. August 2000 in den Schulen umgesetzt wird. Gezielte Elternarbeit soll Migrantenkindern die Eingliederung in Bildung und Ausbildung erleichtern. Die Stadt Dresden setzt sich für die interkulturelle Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen ein und fördert entsprechende Projekte. Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamilien sollen die Möglichkeit haben, die Sprache ihres Herkunftslandes zu lernen und zu pflegen. Zur berufsvorbereitenden Ausbildung stellt die Stadt jungen Asylbewerberinnen, Asylbewerbern und Geduldeten bedarfsgerecht Plätze an der Abendmittelschule bereit. Bei Entscheidungen zur Gewährung sozialer, medizinischer, schulischer und anderer Hilfen und in aufenthaltsrechtlichen Belangen wird das Kindeswohl als wichtigster Aspekt berücksichtigt, auch bei minderjährigen Asylbewerberinnen, Asylbewerbern und Geduldeten.

Förderung der sozialen Betreuung für Migrantinnen und Migranten

Die zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt werden aufgefordert, sich interkulturelle Kompetenzen anzueignen (Fremdsprachenkenntnisse, Wissen über andere Kulturen sowie Kenntnisse zu asyl- und ausländerrechtlichen Regelungen). Die Stadt Dresden fördert Vereine, Verbände und Initiativen finanziell, die soziale Beratung für Migrantinnen und Migranten leisten, und unterstützt ihre Öffentlichkeitsarbeit.

Gesundheitsförderung für Migrantinnen und Migranten

Die Stadt Dresden wird auch die interkulturelle Öffnung des Gesundheitswesens nterstützen. Die Stadt Dresden prüft die Möglichkeit, einen Sprachdienst einzurichten, auf den Beraterinnen und Berater sowie Ärztinnen und Ärzte bei Bedarf zurückgreifen können. Themen der Gesundheitsförderung sollen in den Sprach- und Integrationskursen für Migrantinnen und Migranten vermittelt werden. Die Stadt Dresden wird ihre Ermessensspielräumen nutzen um die Situation von Asylbewerberinnen, Asylbewerbern und Geduldeten zu verbessern, besonders um Familien mit Kindern, psychisch oder physisch chronisch Kranke und Gewaltopfer in Wohnungen unterzubringen.

Förderung kultureller Integration von Migrantinnen und Migranten

Dresden sieht sich als eine weltoffene Stadt. Die Kulturpolitik der Stadt Dresden orientiert sich interkulturell. Die Stadt Dresden schreibt Wettbewerbe unter den Kulturvereinen aus, um ihren Beitrag zur Integration zu fördern und unterstützt die interkulturellen Vereine. Die Stadt Dresden zeigt öffentlich eine positive Haltung gegenüber religiösen Minderheiten um die Akzeptanz der Bevölkerung auch für religiöse Vielfalt zu fördern. Migrantinnen und Migranten sollen angeregt werden, sowohl ihre kulturellen Traditionen zu pflegen, als auch Kenntnisse über die Kultur ihrer neuen Heimat zu erwerben. Auch für Asylbewerberinnen, Asylbewerber und Geduldete soll der Zugang zu kulturellen Angeboten verbessert werden. Die Stadt Dresden betrachtet die Interkulturellen Tage als Querschnittsaufgabe ihrer Politik und fördert sie.

Förderung sportlicher Betätigung von Migratinnen und Migranten

Die Stadt Dresden regt sportliche Wettbewerbe zwischen Migrantinnen und Migranten und heimischen Sportvereinen an und verbessert die Zugangsmöglichkeiten für Asylbewerberinnen, Asylbewerber und Geduldete zu sportlichen Angeboten.

Förderung von Selbstorganisation und politischer Partizipation von Migrantinnen und Migranten

Die Stadt Dresden ermutigt Migrantinnen und Migranten zur aktiven Teilnahme am gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Leben. Für ihre Vereine werden Schulungen zu Vereinsrecht und Projektarbeit angeboten. Anbieter von Sprach- und Integrationskursen sollen in ihre Lehrpläne Themen zum politischen System der Bundesrepublik Deutschland, insbesondere zur Verantwortung und Funktionsweise der Kommunen, aufzunehmen. Die Stadt Dresden wirkt auf eine verstärkte Teilnahme der Bürger anderer EU-Staaten an den Kommunal- und Europawahlen als wichtiges Element der Unionsbürgerschaft hin.

Förderung interkultureller Kompetenz in städtischen Einrichtungen

Die Stadt Dresden fordert von ihren Behörden bürgernahes und transparentes Arbeiten. Sie sollen auf jeden Menschen und seine Anliegen individuell und unabhängig von seinem sozialen Stand, von Nationalität oder Aufenthaltsstatus eingehen. Alle Einrichtungen und Behörden sollen Mehrsprachigkeit und interkulturelle Kompetenz erweitern. Die Stelle der Ausländerbeauftragten erhält die Bezeichnung „Beauftragte für Migration". Sie bietet Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern städtischer Behörden und Einrichtungen Weiterbildungsveranstaltungen zum Thema „Interkulturelle Kompetenz in der Verwaltung" an.

 

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