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Interview mit Frau Marianne Berndt, Leiterin Jugend- und Kulturarbeit im Ausländerrat Dresden e. V.
La Pasion (LP): Frau Berndt, Sie sind im Ausländerrat Dresden e. V., also in einem eingetragenen Verein, tätig. Welche Zielstellung verfolgt dieser Verein?
Frau Berndt: Seit seiner Gründung im Jahre 1990 engagiert sich der Ausländerrat Dresden e.V. für Weltoffenheit und ein gleichberechtigtes friedliches Miteinander der Menschen unterschiedlicher Nationalitäten in unserer Stadt. Als Dachverband mit 12 Mitgliedsvereinen und ca. 80 Einzelmitgliedern entwickelte sich der Ausländerrat zur stärksten Interessenvertretung der Migranten in Dresden. Dementsprechend sieht der Verein sein Hauptziel in der Förderung der kulturellen, sozialen und politischen Integration von Migranten (Ausländern, Aussiedlern und Eingebürgerten) und in der Stärkung ihrer Selbstvertretung. Mit seinen Beratungsangeboten, Bildungs- und Kulturangeboten, der Kinder-und Jugendarbeit im Internationalen Begegnungszentrum und nicht zuletzt mit seiner Öffentlichkeitsarbeit unterstützt der Ausländerrat diesen Prozess. Aber auch die Dresdnerinnen und Dresdner sind gern gesehene Gäste im IBZ. Durch die Präsentation der Kulturen anderer Länder, Gespräche und Begegnungen mit ausländischen Bürgern wollen wir für mehr Verständnis und Akzeptanz gegenüber anderen Nationalitäten und Kulturen werben. Angesichts des Erstarkens Rrechtsextremer Kräfte und des Einzugs rechter Parteien in kommunale und Landesparlamente engagiert sich der Ausländerrat gemeinsam mit vielen anderen demokratischen Organisation bei Aktionen und Projekten zum Abbau von Vorurteilen und Gewalt insbesondere unter Jugendlichen sowie bei der Organisierung von Aufklärungsarbeit gegen Rassismus.
LP: Und wie grenzt sich Ihr Verein hinsichtlich des Inhalts seiner Tätigkeit vom Ausländerbeirat der Stadtverwaltung Dresden ab?
Frau Berndt: Zunächst sei festgestellt, unser Verein arbeitet eng mit dem Ausländerbeirat zusammen. Wir informieren ihn über Probleme der Migranten und unterbreiten ihm Lösungsvorschläge. Der Ausländerbeirat ist beratendes Organ der Stadtverwaltung, in dem Mitglieder der verschiedenen Fraktionen, die Ausländerbeauftragte der Stadt sowie gewählte Vertreter der Ausländer tätig sind. Er spiegelt natürlich in gewissem Umfang die Interessen der vertretenen Parteien und anderer Mitglieder wider. Beim Fehlen eines kommunalen Wahlrechts für Ausländer bleibt der Ausländerbeirat als wichtige Möglichkeit zur Interessenvertretung der Migranten. Wir fordern deshalb Aufwertung des Ausländerbeirates zu einem Ausschuss für Integration, d.h. ein beschlussfähiges Gremium.
LP: Welche übergreifenden Beziehungen hat Ihr Verein zu Ländern und Bürgern Lateinamerikas?
Frau Berndt: Unser Verein ist offen für Menschen aller Nationalitäten und damit natürlich auch für Bürger aus Lateinamerika.
LP: Ist es richtig zu vermuten, dass die in Dresden und Umland ansässig gewordenen Latinos, wie sich die Lateinamerikaner nennen, in Ihrem Verein einen Ansprechpartner, Ratgeber, Helfer in verschiedenen Lebenslagen finden?
Frau Berndt: Ja, das kann ich bestätigen. Besonders in den ersten Jahren nach der Wende wandten sich viele neu nach Dresden kommende Migranten aus Lateinamerika mit z. T. sehr schwierigen Problemen an den Ausländerrat. Inzwischen hat sich ein ziemlich gut unktionierendes Netz von Kontakten zwischen den in Dresden lebenden Lateinamerikanern entwickelt. Man gibt sich Tipps und unterstützt sich gegenseitig. Der in der Dresdner Neustadt ansässige Verein Asociation Cultural Iberoamericana e.V. ist dafür ein geeigneter Anlaufpunkt. Nach wie vor suchen aber auch Menschen aus Lateinamerika die Beratungsstelle des Ausländerrats auf, besonders wenn es um Aufenthaltsfragen und schwierige soziale Probleme geht. Übrigens kann man bei uns auch auf Spanisch beraten werden.
LP: Wie strukturieren sich die Latinos in unserer Region des Großraumes Dresden in etwa quantitativ?
Frau Berndt: Genaue Zahlen sind mir nicht bekannt. In Dresden leben mehrere hundert Lateinamerikaner und fast alle Länder dieser Region sind vertreten. Die größten Gruppen kommen aus Kuba, Chile und Brasilien.
LP: Kommt Ihrem Verein andererseits das Engagement der Latinos, insbesondere auf künstlerischem Gebiet, entgegen?
Frau Berndt: Seit vielen Jahren besteht eine sehr gute und freundschaftliche Zusammenarbeit unseres Vereins mit Künstlern, Studenten und anderen Personen aus Lateinamerika. Das betrifft sowohl Kulturveranstaltungen als auch Begegnungen mit Kindern und Jugendlichen in Schulen und Freizeiteinrichtungen. Über gemeinsames Musizieren und Tanzen werden oft leichter Kontakte geknüpft und neue Einsichten gewonnen als über wissenschaftliche Erklärungen.
LP: Was sollte von verschiedenen Verantwortungsträgern unternommen werden, die Integration der Latinos ins Leben in Deutschland zu erleichtern, und was sollten die Latinos von sich aus tun, um ihre Integration zu befördern?
Frau Berndt: Die Sache der Integration sollte ernst genommen werden. Im Rathaus liegt ein Konzept für eine gute Integrationspolitik. Politiker, Ämter und Bürger sollten den Inhalt kennen und beherzigen, denn ohne Zugang der Migranten zu Sprache, Arbeit, Bildung und politischer Partizipation ist Integration nicht möglich. Nicht nur die Latinos, alle Migranten sollten sich stärker in die politischen Angelegenheiten der Kommune einmischen, um gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.
LP: Wann sind Sie mit Ihrer Arbeit zufrieden?
Frau Berndt: Zufrieden mit meiner Arbeit bin ich immer dann, wenn ich anderen Menschen helfen konnte, wenn eine Veranstaltung erfolgreich war und wenn ich das Gefühl habe, dass damit ein Schritt in Richtung Verständigung und friedlichen Miteinanders getan wurde.
Foto: I. Tomaszewski
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