Der große Jahresrückblick 2020

Rückblick Ausländerrat Dresden e.V.

Das Jahr 2020 neigt sich dem Ende zu und damit ein Jahr, das völlig anders verlief, als wir uns das eigentlich vorgestellt hatten. Statt weiter an unseren Projekten für ein lebenswertes und gerechtes Dresden zu arbeiten und vor allem: unseren 30. Geburtstag gebührend zu feiern, kam Corona und alles wurde anders. Dass der Ausländerrat trotzdem viel bewegt hat, wollen wir mit folgenden Rückblick zeigen.

Im Frühjahr kam mit der Pandemie auch der erste Lockdown und damit Einschränkungen für unsere Projekte. Ohne persönlichen Kontakt die Beratungsangebote oder die Betreuung von Jugendlichen aufrecht zu erhalten, ist gar nicht so einfach. Glücklicherweise reagierten unsere Teams schnell und verlegten ihre Angebote ins Digitale: mittels Videochat und E-Mail konnten wir den Draht zu den von uns betreuten Familien halten, Beratungen für Asylsuchende wurden telefonisch durchgeführt oder selbst Bastelstunden und Treffen im Videochat organisiert.

Besonders stolz waren wir darauf, die ersten Übersetzungen der neuen behördlichen Allgemeinverfügungen zu Corona in über 20 Sprachen zu veröffentlichen – schneller als das Land Sachsen. Die Übersetzungen wurden von Ehrenamtlichen aus aller Welt geleistet: aus Moskau, Děčín, Berlin, vom Balaton und sogar aus Pirna kamen die übersetzten Texte, die wir auf unserer Website sowie einer eigens eingerichteten Facebook-Seite veröffentlichten.

Aufgrund des Lockdowns verlagerte sich für viele Dresdner Schulkinder der Unterricht ins Internet. Was tun aber Menschen ohne die dafür benötigte Technik? Unser Projekt der Bildungspatenschaften erkannte diesen Bedarf und organisierte eine Sammlung von Computern, stattete diese mit der benötigten Software aus und übergab sie in Zusammenarbeit mit dem Projekt MOBA an 30 bedürftige Familien. Und das alles praktisch neben dem alltäglichen Arbeitspensum und selbst unter dem Druck, die eigenen Angebote online umzugestalten. Immerhin betreuten die Kolleg*innen in diesem Jahr 139 Bildungspatenschaften, von denen 154 Patenkinder aus 118 Familien profitierten, führten sechs Weiterbildungsveranstaltungen für Pat*innen sowie einen Elternstammtisch durch. Eine wunderbare Leistung!

Auch unsere Beratungsangebote für geflüchtete/migrierte Menschen waren wie immer sehr gefragt: sowohl unsere Beratungsstelle im IBZ als auch die Flüchtlingssozialbetreuung in der Altstadt liefen auf Hochtouren. Hier wurden 2020 etwa 800 Haushalte mit zusammen über 2.000 Personen betreut. Viele Beratungen wurden telefonisch oder via E-Mail abgeleistet; nach Terminvergabe waren auch persönliche Gespräche möglich.

Im Sommer erfolgte endlich eine Lockerung der behördlichen Verfügungen und die Vereinsarbeit konnte annähernd wieder Normalbetrieb aufnehmen. Besonders freute dies unseren Bereich der Kinder-, Jugend- und Familienarbeit, der mit Jugendlichen mehrere Lernangebote, eine Pflanzaktion (gemeinsam mit dem Vätertreff), Schreibwerkstätten, Ausflüge und eine Jugendkulturelle Woche in den Sommerferien realisieren konnte – das alles natürlich mit der gebotenen Vorsicht und Rücksichtnahme in dieser Situation.

Auch unser Bildungsprojekt Grenzen überwinden musste sich anpassen. Das Team konnte im letzten Jahr 17 Projekttage mit durchschnittlich 19 Teilnehmer*innen an sächsischen Schulen durchführen, davon 4 digital. Das erste komplett digitale Modul „Flucht & Asyl“ wurde entwickelt, außerdem konnten 12 neue Teamer*innen ausgebildet werden, welche damit befähigt sind, selbst Projekttage zu entwickeln und durchzuführen.

Seit 2015 dreht sich unsere Kita „Kleiner Globus“. Natürlich war auch deren Betrieb von den Einschränkungen betroffen. Durch die häufigen Änderungen der Vorschriften mußten ständig die Arbeitsweisen angepasst werden. Im Frühjahr wurde – wie auch jetzt – eine Notbetreuung für Kinder angeboten, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten.
Im Jahr 2020 wurden insgesamt 162 Kinder aus 15 verschiedenen Herkunftsländern in der Kita betreut. 78 % der Kinder wachsen mehrsprachig auf, sprechen also nicht Deutsch als Muttersprache. Die Interkulturalität zeigt sich auch in der Zusammensetzung des Teams: von den 28 Fachkräften haben 14 eine Migrationsgeschichte. Dazu erlernen vier Auszubildende den Beruf als staatlich anerkannte Erzieher/in.
Damit die Erfahrungen unserer Kita nicht im eigenen Hause bleiben, setzte die Kita ihre im vorletzten Jahr gestartete Fortbildungsreihe in diesem Jahr mit 11 Fachtagen fort.

Auch die Banda Internationale, deren schulische Projekttage über unseren Verein betreut und abgewickelt werden, konnte nicht wie geplant an die Schulen gehen. Mehrere tolle Videos sollen helfen, diese Lücke bis zum nächsten Jahr zu überbrücken. Kostproben sind bei youtube zu genießen.

Unsere Außenstelle in der Johannstadt hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen sozialen Akteur entwickelt. Ob mit kultureller Freizeitgestaltung im Familientreff Mosaik, in der Elternarbeit mit ihren Beratungsangeboten für Eltern und Nachhilfen für Kinder oder unserem Frauentreff – unser engagiertes Team hilft mit Herz und Verstand bei Problemen des Alltags. Auch das erst im letzten Jahr begonnene Projekt RESQUE continued konnte geflüchtete Frauen beim Bewerbungsschreiben, der Suche nach einem Praktikumsplatz und beim Berufseinstieg unterstützen.

Neue Räume, neues Glück: das Projekt „Gesundheitslotsen“ zog diesen Sommer in neue, größere Räume um, in denen unsere beiden Kolleginnen etwa 650 Menschen zu Gesundheitsthemen beraten konnten. Im Herbst konnte das dreijährige gemeinschaftliche Forschungsprojekt“Gesundheitskompetenz bei Migrantinnen und Migranten“ in Kooperation mit der Evangelischen Hochschule Dresden abgeschlossen werden; die Veröffentlichung der Studie erfolgt im Jahr 2021.

Besondere Einschnitte mußten in diesem Jahr die Interkulturellen Tage hinnehmen, ließen doch die Corona-Verordnungen keine größeren Ansammlungen von Personen zu. Viele Vorträge, Lesungen, Konzerte mußten abgesagt oder ins nächste Jahr verschoben werden. Immerhin: die Festveranstaltung zur Eröffnung im Rathaus konnte stattfinden. Nächstes Jahr wird alles besser!

Immerhin: wir schätzen uns glücklich, dass es in unserem Verein und auch unserem Kolleg*innenkreis bisher zu keinen schweren Erkrankungen gekommen ist! Auch wenn durch die erneuten Einschränkungen wieder viele unserer Angebote mit Personenkontakt reduziert sind, steht unser engagiertes Team für Unterstützung unserer Klient*innen bereit – nun per Telefon, Videochat oder E-Mail.

Ausblick
Für die Finanzierung unserer Projekte haben wir von unseren Fördermittelgebern bisher noch wenig gesicherte Zusagen bekommen. Glücklicherweise haben wir aber für fast alle Anträge positive Signale bekommen und gehen davon aus, dass unsere Projekte im nächsten Jahr fortgeführt werden können – das ist besser als erwartet. Auch weiterhin müssen wir für die Finanzierung mehrerer Projekte größere Eigenanteile aufbringen; hier sind wir auf Ihre/Deine Unterstützung angewiesen: jede Spende hilft!

Im nächsten Jahr haben wir viel nachzuholen: das Sommerfest im IBZ, die Veranstaltungen der Interkulturellen Tage und insbesondere 30 + 1 Jahre Ausländerrat Dresden e.V. hoffen wir, nächstes Jahr gemeinsam feiern zu können.

Bis wir uns wiedersehen, wünschen wir allen Ehrenamtler*innen, Freund*innen, Unterstützer*innen, Projektpartner*innen und unseren Vereinsmitgliedern eine entspannte Weihnachtszeit und einen guten Rutsch in ein vor allem gesundes neues Jahr!