Erzähl‘ doch mal: Franzi (mit) Herz

Franziska Herz

Ausgestattet mit einem schier unerschöpflichen Reservoir an guter Laune, ist Franziska Herz seit vier Jahren als Assistentin der Geschäftsführung im IBZ auf der Heinrich-Zille-Straße tätig. Als gute Seele in unserer Verwaltung behält sie den Überblick über die unzähligen Details, die im Tagesgeschäft zu beachten sind und ist immer mit einem Lachen dabei. Unser Geschäftsführer Markus Degenkolb bringt es auf den Punkt: „Ohne Franzis Unterstützung würde ich unter Papierbergen verschwinden.“

Das sehr entspannte Interview führten Hanna Schiweck und Ronny Geißler. Und ja, es wurde viel gelacht.


Fangen wir an mit der üblichen Frage, wann und wie Du zum Verein gekommen bist…

Recht klassisch. Ich habe in Dresden bis 2017 in einer Sprachschule gearbeitet und ich wollte mich da sowieso wegbewerben und im Sommer 2016 hatte der Ausländerrat die Stelle „Assistenz der Geschäftsführung“ ausgeschrieben. Bei den Gesprächen wurde ich dann aber nur die Nummer 2, also wurde quasi abgelehnt (lacht). Ja gut, dann dachte ich, dass ich eben einfach ein bisschen länger in der Sprachschule bleibe und 2017 im Sommer rief mich Markus [Degenkolb] an und sagte „Hey Franzi, du hast dich doch letztes Jahr bei uns beworben.“ . Meine Vorgängerin wollte wieder aufhören und Markus fragte, ob ich nicht doch noch Lust hätte zum Ausländerrat zu wechseln und da dachte ich mir Ja, perfekt- Passt (lacht). Und dann habe ich da im Sommer 2017 angefangen, ohne nochmal ein großes Bewerbungsgespräch oder so zu haben.

Okay. Und jetzt bist Du Assistentin der Geschäftsführung?

Richtig.

Und was machst du da so?

Das ist eine sehr gute Frage. Ich mache alles Mögliche (lacht). Ich könnte jetzt meine diversen Arbeitsbereiche aufzählen. Soll ich das tun? (lacht).

So angerissen.

So angerissen… (überlegt). Es ist auf jeden Fall sehr vielfältig. Ich mache zum Beispiel recht viele Recherchen für Markus, gerade jetzt zum Thema Corona oder zu arbeitsrechtlichen Sachen. Ich lektoriere Texte und suche da die letzten Fehler raus, sowohl für die Öffentlichkeitsarbeit als auch für Ausschreibungen etc. Ich schreibe Protokolle bei Sitzungen, übernehme so die Koordination von internen Prozessen, also wenn Meinungen zusammengefasst werden müssen oder es um die Organisation von Erste-Hilfe-Kursen geht, zum Beispiel. Veranstaltungen organisiere ich teilweise mit. Also der Mitarbeitertag ist so grob unter meiner Leitung sage ich mal. Jetzt auch bei der Jubiläumsveranstaltung [30+1 Jahre Ausländerrat] bin ich mit im Planungsteam. Die Vermietungen im Haus laufen auch über mich. Wenn da Anfragen kommen, erstelle ich die Verträge und mache die Besichtigungen mit den Interessenten.

Bewerbungen laufen ja auch über dich.

Bewerbungen laufen über mich, richtig. Datenschutzbeauftragte bin ich (lacht). Genau, das ist so das. Die Post mache ich, Bestellungen für Büromaterial, alles Mögliche eben.

Und ansonsten bist du ja so auch bisschen diejenige, welche die Fäden spinnt zwischen den einzelnen Außenstellen.

Genau. Das ist das, was ich meinte mit Koordinierung von interner Kommunikation. Also ich weiß eigentlich so ziemlich über jeden Bereich oder über jedes Projekt ein bisschen was (lacht). Deshalb werde ich auch manchmal die Zentrale genannt, weil alle möglichen Fragen erstmal bei mir landen. Entweder kann ich sie dann selber beantworten oder leite sie an die jeweiligen Menschen, die es wissen könnten, weiter.

Ok also kennst du so ziemlich jeden im Verein?

Bis auf die Kita-Mitarbeiter*innen, ja (lacht). Da kommt man nicht so mit.

Und es macht noch Spaß?

Ja, auf jeden Fall. Dadurch, dass es so vielfältig ist und auch immer eine neue Aufgabe dazukommt, macht es Spaß. Ganz wichtig ist natürlich die Beziehung zu den Kollegen und Kolleginnen im Haus, die ja sehr familiär und cool ist einfach, genau. Das spielt auf jeden Fall eine große Rolle für mich.

Das ist im Ausländerrat das Schöne, dass man da eine Frage auch fünf Mal stellen kann und sie einem auch fünf Mal beantwortet wird. Danach weiß man dann auch, wirklich wie es geht.

Auch wenn ich jetzt nicht direkt an den Klient*innen dran bin – ich mache ja keine Beratung oder so etwas – ist mein Job trotzdem wichtig, um eben die Kolleg*innen, welche die Beratung anbieten, zu unterstützen und den Rücken freizuhalten. So sehe ich meine Aufgabe: ich halte ihnen soweit es geht den Verwaltungskram vom Hals, damit sie eben ihre Arbeit mit den Leuten machen können.


Franzi Herz

Immer eine Unterstützung, wenn es darum geht, eingebrockte Suppen auszulöffeln: Franzi beim Mitarbeiter*innentag 2019.


Und wie bist du grundsätzlich erstmal in diesen Arbeitsbereich gekommen? Was hast du mal gelernt?

Also ich hab… Das ist erstmal ein bisschen kurios. Ich habe in Dänemark meinen Bachelor gemacht.

Deinen Bachelor in…?

In… das ist das Kuriose daran. Als ich angefangen habe zu studieren, hieß der Studiengang „Kultur- und Sprachmittlerin“ und während des Studiums wurde der Titel geändert, aber die Inhalte nicht. Und dann hatte ich einen Abschluss in „Internationaler Wirtschaftskommunikation“.

Internationale Wirtschaftskommunikation?

Genau und damit kann man irgendwie alles und nichts machen. Ich hatte dann erst Mal wieder Lust, Richtung Heimat zu kommen und habe dann eben in der Sprachschule angefangen. Da habe ich auch so an der Rezeption gesessen und ein bisschen Verwaltung gemacht und die Betreuung der Studierenden übernommen. Das war eine Sprachschule, die Deutsch als Fremdsprache gelehrt hat. Da waren auch viele für einen Sommerkurs in den Ferien mal da oder dann für ein halbes Jahr oder länger, die dann Deutsch für ihr Studium gelernt haben.

Wo in Dänemark war das?

In Sønderborg. Auf Deutsch Sonderburg (lacht). Das ist tatsächlich unweit von der deutschen Grenze, ungefähr eine Stunde von Flensburg entfernt.

Und wieso überhaupt Dänemark?

(Seufzt) Nach dem Abitur wusste ich nicht so richtig, was ich tun soll. Deswegen hatte ich dann erstmal noch, um mir ein bisschen Zeit zu verschaffen, ein Praktikum in Bautzen im Theater gemacht für ein Jahr. Ich war da also Regieassistentin und habe da auch ein bisschen mitgeschauspielert bei so Laiengruppen. Ich wollte auf jeden Fall etwas mit Kultur studieren und hatte mich da auch für verschiedene Studiengänge beworben und mir dann noch einmal eingebildet, dass vielleicht auch Grundschullehramt ganz cool wäre. Ich hatte mich dann auch auf Grundschullehramt beworben bei zwei Universitäten in Deutschland. Die haben mich aber nicht genommen, ich glaube, weil irgendetwas bei der Bewerbung gefehlt hat oder mein Schnitt da nicht gut genug war. Dann dachte ich mir ach komm, scheiß auf Deutschland, dann gehe ich halt nach Dänemark. Das war eben so ein Studiengang als Kooperation zwischen der Universität in Flensburg und der Universität in Sonderburg. Deswegen war das so eine Art doppelter Studiengang sage ich mal. Genau, dann habe ich das eben mal angefangen, so ein bisschen aus Trotz (lacht).

Auf Englisch?

Auch. Der Studiengang war dreisprachig: Englisch, Dänisch und Deutsch. Es waren eben Deutsche dabei, die Dänisch gelernt haben während des Studiums und dänische Leute, die Deutsch gelernt haben.

Und kannst du Dänisch ein bisschen?

Ja, konnte ich dann ganz gut. Ist schon wieder eine Weile her (lacht). Dänisch hörst du halt hier nie. Wenn du nicht in einer nordischen Region unterwegs bist, dann triffst du keinen Dänen.

Du hast also auch eine Migrationsgeschichte?

(Lacht) Ja.

Von Nünchritz nach Bautzen, nach Sonderburg, nach Dresden.

(Lacht) Genau. So war mein Werdegang. Zwischendurch war ich noch in Lille, in Frankreich für ein Erasmus. Das war aber nur ein halbes Jahr.

Also sprichst du auch noch Französisch ein bisschen? Un petit peu?

Un petit peu genau. Französisch fiele mir jetzt tatsächlich, glaube ich, leichter, weil ich in der Schule Französisch als Leistungskurs hatte und da auch mein Abitur gemacht habe.

Aber du brauchst es nicht mehr heute?

Jetzt brauche ich es auch nicht mehr (lacht). Ich bin auch ein bisschen zu faul tatsächlich. Man könnte sich ja Tandems suchen, die dann Französisch mit einem sprechen, wo man dann was zusammen unternehmen kann. Aber ich bin, wie gesagt, da so ein bisschen zu faul um die Sprache weiter aufrecht zu erhalten.


Der heutige Bürostuhl ist ergonomischer als der Campingstuhl im Garten der Großeltern: Franzi in jugendlicheren Jahren in Nünchritz.

Franzi Herz

Ich habe das ja vorher schon mal im Gespräch mitbekommen, dass du ja in der Freizeit auch kulturell noch unterwegs bist. Was treibst Du sonst noch so?

Also ich bin sowieso eine Gegnerin der 40-Stunden-Woche (lacht). Deswegen bin ich sehr froh über meine 25-Stunden-Woche, weil dann eben noch genug Zeit für andere Dinge bleibt. In Bautzen war ich als Jugendliche schon immer engagiert. Ich war da in einem Jugendchorprojekt und habe da auch so ein paar Sachen mit angeleitet und bin dann da an diesem Jugendzentrum, an dem ,,TiK“, Treff im Keller, hängengeblieben. Ich organisiere da, auch im vierten Jahr jetzt, so ein kleines Musikfestival (MiKtival). Das ist auch, glaube ich, das erste Festival, was es in Bautzen gibt oder gab. Das ist alles ehrenamtlich und da steckt recht viel dahinter – also Anträge schreiben, Bands ranholen und dann gucken, dass das für Familien geeignet ist, also auch ein bisschen Kinderprogramm anbieten. Das dann aber alles mit dem Anspruch gestalten, dass der Eintritt kostenfrei ist, damit das auch jeder nutzen kann und damit auch diejenigen, die nicht so viel Kohle haben und dadurch vielleicht sonst nicht so viele Angebote in Bautzen nutzen können, die Chance bekommen, dabei zu sein.

Daneben bin ich auch im Vorstand vom Steinhaus, das ein soziokulturelles Zentrum in Bautzen ist. Das Steinhaus ist auch in der Sozialen Arbeit aktiv, bietet aber auch kulturelle Sachen, also Konzerte, Lesungen, Kino, Theater – alles Mögliche.

Also hängst du da auch bisschen in der Heimat fest sozusagen?

Auf jeden Fall. Meine Mutter wohnt in Bautzen und mein Bruder ist auch erst vor zwei Jahren nach Dresden gezogen. Ich habe auch noch Freunde in Bautzen und deswegen bin ich recht oft dort, um die Leute zu besuchen oder wenn da irgendwas ansteht, also irgendwelche Partys oder Treffen.

Kommen wir zur üblichen Schlussfrage: Siehst du dich in fünf Jahren oder zehn Jahren immer noch beim Ausländerrat, wenn das geht? Und gibt es noch ein Herzensprojekt, was du gern noch mit unterstützen würdest? So etwas wie die Digitalisierung, also was ja gerade breit angeschoben im Verein. Oder lieber ganz ent-digitalisieren? Dann hättest Du ja diesen Datenschutzkram nicht mehr.

(Lacht) Ich bin tatsächlich keine Fünf- bis Zehnjahresplanerin. Ich lasse das, was passiert, so meistens auf mich zurollen. Aber Stand jetzt bin ich tatsächlich total zufrieden mit der Arbeit im Ausländerrat und könnte mir, wenn sich da jetzt nicht so viel ändert, tatsächlich vorstellen auch länger zu bleiben. Ein Herzensprojekt ist bei mir tatsächlich nicht zwingend die Digitalisierung (lacht). Ich bin da so ein bisschen Old School. Aber mir ist bewusst, dass das kommen wird und kommen muss.

Ich hoffe einfach für den Verein, dass es künftig stabilere Lösungen als die befristeten Projektförderungen gibt, so dass man weiter planen kann, als für zwei Jahre und nicht immer zittern muss, ob man danach arbeitslos ist oder ob die Arbeit weitergehen kann mit den Klient*innen. Das wäre auf jeden Fall gut, nicht nur für die Mitarbeiter*innen, sondern auch für die Stadt.

Franzi, Danke fürs Interview! Schön, dass wir mal jemanden von Hinter-den-Kulissen befragen konnten. Euch kennt kaum jemand, doch ohne Euch würde ja überhaupt nichts laufen. Also ich wüsste schon nicht, wo ich die Corona-Tests für meinen Bereich [der Bildungspaten] her bekomme. Apropos

Apropos (lacht). Ich habe gestern welche bestellt.

Aber genau solche Dinge…

…sind für das Laufen eines Vereins auf jeden Fall wichtig.