Statement zum Ukrainischen Zentrum

Dresden, den 19.07.2025

Liebe Menschen in Dresden,

wir sind größtenteils im Urlaub, möchten uns aber dennoch kurz zum Ukrainischen Zentrum in Dresden, der Medienberichterstattung und der teilweise sehr unsachlich geführten Debatte im Netz über den Ausländerat Dresden e.V. äußern:

  1. Wir sind dankbar dafür, dass wir das Interessenbekundungsverfahren für uns entscheiden konnten. Es gab hohe inhaltlich-fachliche Anforderungen und wir können sie erfüllen. Wir haben damals aus dem Amtsblatt vom Interessenbekundungsverfahren erfahren und uns trotz der hohen Anforderungen ganz regulär beworben. Wir schreiben jedes Jahr Dutzende Anträge. Dieser war nicht anders. Wir haben als erfahrener Träger der Migrationsarbeit (mit vielen Fachkräften aus der Sozialen Arbeit) unsere Expertise dargelegt, auch im Hinblick darauf, was wir seit 2022 für Ukrainer*innen tun. Sicher haben wir seither in all unseren Angeboten mehrere tausend Klient*innen aus der Ukraine professionell beraten und unterstützt. Das möchten wir fortführen.
  2. Wir haben uns unmittelbar nachdem uns das Sozialamt schriftlich über den Ausgang des Interessenbekundungsverfahrens informiert hatte, an den Verein Plattform Dresden e. V. gewandt und nach den Möglichkeiten einer Kooperation gefragt. Dies wurde zunächst leider abgelehnt. Wir haben dennoch erneut ein Angebot unterbreitet: mündlich in den Räumen des Plattform Dresden e. V. am 11.7., schriftlich per E-Mail am 14.7. und am 17.7. erneut mündlich im Rathaus. Akzeptiert wurde das Angebot nicht. Es gibt bisher auch kein Gegenangebot. Unser Angebot umfasst u.a. die Übernahme von Personal des Plattform Dresden e.V. und die Weitergabe von Mitteln für eigenes Personal beim Plattform Dresden e.V. Es umfasst auch das Erbringen eines Teils der Beratungsleistung in den Räumen des Ukrainischen Hauses sowie Mittel für Honorare oder Aufwandsentschädigungen beim Plattform Dresden e.V. Zudem haben wir unsere Bereitschaft mitgeteilt, den Projektnamen zu ändern, damit die Ukrainer*innen die Angebote der beiden Vereine nicht verwechseln.
  3. Wir beraten und unterstützen seit 35 Jahren Menschen unabhängig vom Herkunftsland oder Form der Migrationserfahrung. Zu uns kommen Klient*innen aller Nationalitäten und Glaubensrichtungen. Alle bekommen die gleiche Hilfe. Ukrainer*innen gehören, wie oben beschrieben, von Anfang an zu den Gruppen, die unsere Angebote sehr intensiv nutzen, u. a. in unseren Beratungsstellen, der Migrationssozialarbeit, der Jugendarbeit, in den Hilfen zur Erziehung, den Projekten für Frauen oder Gesundheit, den Projekten zur Berufsintegration, in unseren Patenschaftsprogrammen, in unserer Kita und in vielen weiteren Projekten – immer betreut von fachlich, sprachlich und kulturell äußerst kompetenten Mitarbeitenden.
  4. Ukrainer*innen suchen unsere Büros in Dresden seit dem ersten Tag der russischen Vollinvasion 2022 intensiv auf. Wir sind also seit Beginn der Flucht ein bekannter und wichtiger Anlaufpunkt. Das sind wir bis heute. Das liegt u.a. daran, dass neben unseren hauptamtlichen Angeboten viel Ehrenamt in unsere Arbeit einfließt. (Zu Beginn des Krieges z.B. gab es noch keine Finanzierungen für die erhöhte Nachfrage. Das haben wir in unserer Freizeit bewältigt.) Heute sind etliche Ukrainer*innen ehrenamtlich für uns aktiv, um ihren Landsleuten das Ankommen zu erleichtern. Die Nachfrage ist konstant hoch – auch von Senior*innen. Unsere Angebote sind in der ukrainischen Community also gut bekannt und werden gern angenommen. Über unser Netzwerk können wir die Zielgruppe der ukrainischen Geflüchteten gezielt ansprechen, informieren und auf Hilfsangebote bei uns und in der Stadt hinweisen. Andere Beratungsstellen verweisen an uns und übergeben uns komplexe Fälle, die viel Fachwissen und Erfahrung verlangen.
  5. Auf großen Social-Media-Plattformen und in den Kommentaren unter der aktuell laufenden Petition gab es Angriffe auf unseren Verein und, viel schlimmer, auf unsere Mitarbeitenden. Hier wurden Grenzen überschritten, die zu einer respektvollen Kommunikation mit Anstand, Würde und Fachlichkeit gehören. Das verurteilen wir! Wir werden auf Postings im Rahmen dieser Art der Kommunikation nicht antworten und rufen zur Mäßigung auf. Beleidigungen, üble Nachrede, Verleumdungen oder andere Straftatbestände werden wir konsequent zur Anzeige bringen.
  6. Das gilt insbesondere für Postings und Nachrichten, die unsere Geschäftsführerin Olga Sperling in großer Zahl erhalten hat. Menschen, die sie nicht kennen, die nie mit ihr gesprochen haben, die ihre Arbeit im Verein und persönlich für aberhunderte Klient*innen seit 16 Jahren nicht kennen (und ihre Arbeit nicht fachlich bewerten können), reißen Bruchstücke über ihre Biographie aus dem Netz und erlauben sich, sie in irgendeine Ecke zu stecken. Feindbilder zu konstruieren, geht leider sehr schnell und einfach. Der Schaden, der dabei entsteht, den muss Olga Sperling bewältigen. Heutzutage ist es wichtiger denn je, Menschen nicht auf ihre Herkunft, ihren Glauben oder ihr Geschlecht zu reduzieren!
  7. Unsere Haltung zum russischen Angriffskrieg wurde in den letzten Tagen oft hinterfragt, insbesondere und zuletzt im Rathaus vom Plattform Dresden e. V. Sie ist glasklar und hat sich seit 2022 nicht verändert. Sie ist seit damals hier zu finden: https://www.auslaenderrat.de/der-auslaenderrat-dresden-verurteilt-den-angriffskrieg-in-der-ukraine/
  8. Auch wird kritisiert, bei uns würden Klient*innen in Russisch beraten. Ja, so ist es. Nachvollziehbar ist diese Kritik nicht, denn bei uns werden im Alltag Dutzende Sprachen gesprochen, auch Ukrainisch. Die Vielfalt der Sprachen ist schon immer eine wichtige Ressource in unserem Verein. Sie ist darüber hinaus eine Brücke zu den Menschen. Jede und jeder wird bei uns in der Sprache beraten, in der er oder sie am besten beraten werden kann. Wer eine Sprache ablehnt, wird dennoch beraten, eben in einer anderen Sprache. Wer nicht zufrieden ist, bekommt von uns andere Anlaufstellen genannt und wir helfen dabei, sich dort zu melden.
  9. In den Medien nimmt bisher unsere Sichtweise wenig Raum ein. Wir haben uns (aus Zeitgründen; weil es politischen Streit gab, in den wir uns nicht einmischen wollten; und weil wir den Vermittlungsversuchen der Stadtspitze nicht vorgreifen wollten) darauf beschränkt, wichtige Medien- und Interviewanfragen zu beantworten, sonst aber keine Öffentlichkeitsarbeit betrieben oder versucht, auf Bürgermeister*innen oder Stadträt*innen einzuwirken. Das hier ist auch unser erstes und bisher einziges Posting zu diesem Thema auf unseren Social-Media-Kanälen bzw. unserer Website.
  10. Leider geht es in der öffentlichen Debatte noch zu wenig um die ukrainischen Klient*innen. Sie suchen ganz selbstverständlich alle Beratungs- und Unterstützungsangebote auf, die sie in Dresden finden können – bei uns, beim Plattform Dresden e. V. und bei den vielen, vielen anderen Anlaufstellen aller möglichen Träger, Vereine und staatlichen Stellen. Alle diese Anlaufstellen sind vernetzt und handeln gemeinsam und abgestimmt im Sinne der Klient*innen. Besonders bei multikomplexen Fällen (Probleme mit z. B. Aufenthalt, Gesundheit, Familie, Arbeit, Diskriminierung auf einmal) ist es wichtig, dass diese Menschen in die Hände von ausgebildeten Fachkräften kommen. Das gilt auch für sog. Kleeblattfälle. Niemand kann für sich in Anspruch nehmen, ganz allein für eine Gruppe Geflüchteter hinsichtlich ihrer Sorgen und Nöte zu sprechen. Die Anliegen und Bedarfe landen auf den Schreibtischen vieler Anlaufstellen in der Stadt.

Für weiterführende Erläuterungen fehlen uns gegenwärtig die zeitlichen und personellen Ressourcen. Wir bleiben weiter mit dem Plattform Dresden e. V. und der Landeshauptstadt Dresden im Gespräch. Sobald wir komplett aus dem Urlaub zurückgekehrt sind, wird es eine ausführlichere Stellungnahme von uns geben. Wir bitten alle um eine sachliche Diskussion – auch in den Kommentaren zu diesem Beitrag.

Der Ausländerrat Dresden e. V.

PS: Hier die wichtigsten Medienbeiträge und Webseiten für alle, die keine Zeit haben, sich die Hintergründe im Netz komplett selber rauszusuchen:

Aufruf zum Interessenbekundungsverfahren vom 7.5.25:

https://www.dresden.de/media/pdf/amtsblatt/2025/elektronische-ausgabe/05/e15-05-2025.pdf

Pressemitteilung der Stadt vom 9.7.25:

https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/pressemitteilungen/07/Pm_015.php

Statement des Plattform Dresden e. V. vom 11.7.25:

https://plattform-dresden.de/stellungnahme-von-plattform-dresden-e-v-tragerverein-des-ukrainischen-hauses-in-dresden-zum-ergebnis-des-interessenbekundungsverfahrens-zum-ukrainischen-zentrum/

Petition für Förderung des Plattform Dresden e. V. mit Links zu Statements der Lokalpolitik:

https://www.openpetition.de/petition/online/erhalt-und-foerderung-des-angebots-von-plattform-dresden-e-v#petition-main

Sächsische Zeitung

12.7.: https://www.saechsische.de/lokales/dresden/streit-um-ukraine-hilfe-in-dresden-verein-um-natalija-bock-geht-leer-aus-CPO4DDMC7JBHZG7HVODXXJRO5Q.html

14.7.: https://www.saechsische.de/lokales/dresden/ukraine-hilfe-in-dresden-debatte-um-ukrainische-einflussnahme-IRTIXLQGUFDBLDQE5TP6ZJBSR4.html

16.7.: https://www.saechsische.de/lokales/dresden/streit-um-ukraine-hilfe-in-dresden-ohne-den-zuschuss-werden-wir-nicht-ueberleben-QI4CK6H2IZC4FDTLP4MR52RD64.html

18.7.: https://www.saechsische.de/lokales/dresden/dresden-so-reagieren-botschaft-rathaus-und-auslaenderrat-auf-den-ukraine-streit-WCQHG5G745HJDOB3JLSGADHC4U.html

DNN

11.7.: https://www.dnn.de/lokales/dresden/streit-um-ukrainisches-haus-in-dresden-erster-buergermeister-zieht-die-reissleine-5PSFK6CWLFCBPHQZXQVFHCMTDU.html

12.7.: https://www.dnn.de/lokales/dresden/ukraine-haus-dresden-von-allen-guten-geistern-verlassen-XNYAH6Y6QRH4RFMMR23MDXEYCM.html

16.7.: https://www.dnn.de/lokales/dresden/streit-um-das-ukraine-zentrum-in-dresden-spitzt-sich-zu-HGBW5YVJ2VFRPMVMWQ2ZTBAROE.html

19.7.: https://www.dnn.de/lokales/dresden/ukrainer-in-dresden-privilegien-gehoeren-auf-den-pruefstand-WGERVFY4JZE2HEZDN35SJIFGHA.html

Dresdner Morgenpost

16.7.: https://www.tag24.de/dresden/politik-wirtschaft/zoff-um-unterstuetzung-fuer-ueber-10-000-ukrainer-in-dresden-3403649

17.7.: https://www.tag24.de/dresden/politik-wirtschaft/dresden-neues-ukraine-zentrum-wird-im-rathaus-diskutiert-3404230

MDR Sachsenspiegel

15.7.: https://www.ardmediathek.de/video/mdr-sachsenspiegel/streit-um-ukraine-hilfe-in-dresden/mdr/Y3JpZDovL21kci5kZS9iZWl0cmFnL2Ntcy85ZjliY2ExYi0wNDNiLTQ2NGItYjAxNy04MDQ3ZGMyODc2ODI

MDR Sachsen 

16.7.: https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/dresden/dresden-radebeul/streit-ukraine-hilfe-auslaenderrat-100.html

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