Im zweiten Teil unseres Rückblickes berichten die Dresdner Migrationsgeschichten, das Bildungsprojekt „Grenzen überwinden“ sowie die Kulturarbeit über ihre Aktionen in 2025. Wir wünschen viel Freude beim Lesen!
Dresdner Migrationsgeschichten: Miteinander reden. Perspektive wechseln. Ein erfolgreiches Projekt kommt in das finale Jahr.
Mit acht neuen Ehrenamtlichen mit Migrations- und/oder Fluchterfahrung haben wir in 2025 37 Begegnungsformate für Jugendgruppen und Erwachsene durchgeführt und somit über 600 Teilnehmende aus Dresden, ganz Sachsen und anderen Bundesländern erreicht.
Nach drei Jahren schließen wir unser Projekt ab und sind glücklich, dass wir im Laufe der Zeit mit 25 Ehrenamtlichen 112 Begegnungen durchführten und über 1.700 Besucher*innen dabei zum Perspektivwechsel einluden.
Mit unserem Projekt wollten wir nicht nur Menschen ohne Migrationsgeschichte über die Themen Flucht und Migration aus erster Hand sensibilisieren, sondern Menschen mit Migrationsgeschichten eine sinnhafte, ehrenamtliche Tätigkeit zu ermöglichen, durch die sie sich als neu-Zugewanderte als Gestalter*innen der Stadtgesellschaft erfahren, ihre Deutschkenntnisse vertiefen und neue soziale Kontakte knüpfen können.
Politische Bildung unterwegs, in den Schulen, in den Museen: Die ehrenamtlichen Stadtführer*innen zeigten jugendlichen und erwachsenen Gruppen „ihr Dresden“, teilten persönlichen Geschichten der Flucht und des Ankommens in den Projekttagen oder beim öffentlichen Format „Lebendige Bibliothek: Mit allen Sinnen“ in Kooperation mit Deutschem-Hygiene-Museum. Dort durften wir als die Ersten mit unserer Veranstaltung den neuen Begegnungsraum HY! einweihen. Wir waren mit sächsischen Schüler*innen unterwegs, kochten zusammen afghanisch oder informierten in den Workshops über Fluchtursachen oder Abläufe eines Asylverfahrens.
Handreichung: Zum Wissenstransfer verfassten wir eine Handreichung „Begegnung auf Augenhöhe: Partizipative Projektarbeit zum Thema Flucht/Migration“ und tauschten uns mit migrantischen Vereinen außerhalb Dresdens aus (wie Second Attempt e.V. aus Görlitz), um unsere Ehrfahrungswerte mit ihnen zu teilen und sie für partizipative, biografische Begegnungsarbeit zu begeistern. Demnächst steht die Handreichung kostenlos auf der Website für alle Interessierte zur Verfügung.
Im Finale unter TOP 10 Nominierten für den Integrationspreis „Gesellschaftlicher Zusammenhalt: Vor Ort. Vernetzt. Verbunden“ 2025: Im Bundesförderprogramm „Gesellschaftlicher Zusammenhalt. Vor Ort. Vernetzt. Verbunden“ wurden wir aus 43 nominierten Projekten aus ganz Deutschland in das Finale ausgewählt und haben unseren Verein bei dem bundesweiten Netzwerktreffen in Nürnberg vertreten.
Nach drei Jahren blicken wir auf die vergangene Zeit zurück und möchten unseren herzlichsten Dank an alle Ehrenamtlichen aussprechen, die mutig ihre Geschichten öffentlich teilten und das Projekt überhaupt möglich machten. Sowie großer Dank geht an alle unsere Fördermittelgeber das Bundesministerium des Innern und die Heidehof Stiftung, Kooperationspartner*innen, Gruppen, die uns gebucht haben und alle Besucher*innen dafür, dass wir Dresdner Migrationsgeschichten sichtbar und hörbar machen durften!
„Besonders schön war die Zusammenarbeit im Team: Wir haben Ideen ausgetauscht, gemeinsam Probleme gelöst und voneinander gelernt. Das Projekt hat mir nicht nur fachlich, sondern auch persönlich sehr gutgetan. Ich fühle mich nun sicherer, aktiver und mehr mit der Gesellschaft verbunden.“
Nhung Vo (ehrenamtliche Stadtführerin und Erzählerin)
„Ich kann jetzt besser verstehen, wie sich die Menschen fühlen, die flüchten müssen.“
Teilnehmerin eines Projekttages, 13 Jahre
Grenzen überwinden
Das Jahr 2025 war ein ganz besonderes Jahr in der Geschichte von Grenzen überwinden. Zum ersten Mal in den 16 Jahren seines Bestehens musste das Projekt aufgrund fehlender Finanzierung eine fünfmonatige Pause einlegen. Erst im Juni dieses Jahres konnten wir unsere Arbeit wieder aufnehmen – diesmal mit neuer Energie und in neuer personeller Konstellation: Neben der Projektleiterin Marta Villalba verstärkt nun eine neue Mitarbeiterin, Catalina Brunetti, die Koordination.
Gerade im aktuellen gesellschaftlichen Klima in Sachsen ist ein Projekt wie Gü relevanter denn je. Für die Förderphase 2025–2027 setzen wir einen klaren und wichtigen Schwerpunkt auf die Betroffenenperspektive verschiedener Diskriminierungsformen, insbesondere Rassismus.
Zu den Höhepunkten der vergangenen sieben Monate zählt das 16-jährige Jubiläum des Projekts, das wir gemeinsam mit ehemaligen und aktuellen Wegbegleiter*innen gefeiert haben. Dieser besondere Anlass bot Raum, die rassismuskritische Arbeit mit Jugendlichen in Dresden und Umgebung zu würdigen und den gemeinsamen Einsatz weiter zu stärken. Zusätzlich konnten wir unseren Kooperationspartner Zeugen der Flucht begrüßen, der gemeinsam mit Teamer*innen von Gü an einer Podiumsdiskussion teilnahm. Dabei berichteten sie über ihre Erfahrungen in der Arbeit mit Jugendlichen, über Herausforderungen und Wünsche für die Zukunft.
Ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit sind die Projekttage, die wir mit unserem Team an unterschiedlichen Bildungseinrichtungen durchführen – darunter Förderschulen, Berufs- und Oberschulen sowie Gymnasien – ebenso wie für Jugendgruppen, FSJ-Gruppen und Studierende der Technischen Universität Dresden. In diesem halben Jahr konnten 13 Projekttage realisiert werden. Inhaltlich konzentrieren sich die Projekttage weiterhin auf die Themen Migration, Rassismus sowie Flucht & Asyl, die wir gemeinsam mit den Teilnehmenden aus einer rassismuskritischen und betroffenenorientierten Perspektive bearbeiten.
[Not a valid template]Darüber hinaus setzen wir das Bildungspaket, unser langfristiges Angebot, fort. Es umfasst drei Projekttage innerhalb eines Schuljahres mit derselben Gruppe und ermöglicht dadurch eine vertiefte Auseinandersetzung mit unseren Themen. Für das Schuljahr 2026–2027 arbeiten wir mit zwei Schulen zusammen: der Adolf-Tannert-Schule Hohnstein mit Förderschwerpunkt Lernen und der 62. Oberschule in Dresden, an denen die ersten Projekttage bereits erfolgreich stattgefunden haben.
Neu in diesem Jahr ist außerdem die Gründung der AG „Empowerment und kritisches Weißsein“, in der wir ein internes Glossar für unsere Teamer*innen erarbeiten und Methoden aus den Projekttagen hinsichtlich der Betroffenenperspektive weiterentwickeln.
Eine weitere wichtige Neuerung ist die Umsetzung des GTA „selbstgeMACHT“ an der 62. Oberschule in Dresden. Dort bietet ein Team von Gü monatlich einen sicheren Raum für Reflexion und Empowerment für Jugendliche – insbesondere für junge Menschen of Color. Im Dezember haben wir einen Infotag veranstaltet, bei dem wir ein informatives Spiel zu unseren Themen durchgeführt und weihnachtliche Leckereien angeboten haben, um die Jugendlichen einzuladen, an dieser Initiative teilzunehmen. Wir haben viel positives Feedback und gute Beteiligung erhalten.
Trotz eines herausfordernden Starts blicken wir dankbar auf ein intensives und wirkungsvolles Jahr 2025 zurück. Mit neuer Stabilität, klaren Schwerpunkten und einem engagierten Team freuen wir uns auf die kommenden Jahre der gemeinsamen Arbeit. Zum Abschluss möchten wir unseren herzlichen Dank an alle Schulen und Organisationen aussprechen, die uns unterstützen. Ein besonderer Dank gilt zudem unseren Förder*innen, „Weltoffenes Sachsen“ (WOS), die Heidehofstiftung und die abriporta Stiftung, deren Unterstützung dieses Projekt erst möglich gemacht hat.
Kulturelle Arbeit im Ausländerrat
Die Kulturarbeit unseres Vereins trug auch 2025 mit Ausstellungen, Filmabenden, Lesungen und Workshops zum kulturellen Leben in Dresden bei. Erstmals standen Filmabende auf unserem Programm: in der Filmgalerie Striesen zeigten wir Filme zu postkolonialen Themen, Frauenrechten sowie im Gedenken an Marwa El-Sherbini. Wir beteiligten uns an mehreren stadtweiten Ausstellungsformaten, u.a. mit dem Weltoffenen Dresden (WOD) und zeigten natürlich spannende Ausstellungen in unserer Galerie Arat – aktuell sindnoch bis zum Februar 2026 Kunstwerke aus Indien zu sehen.
[Not a valid template]Eine richtig große Sache war die Brazzcalation – das erste aktivistische Streetband-Festival in Dresden, das wir mit der Banda Comunale und der Fiatelle Blaskapelle auf die Beine stellten. Bei bestem Wetter ließen sechs Brasskollektive aus Italien, Frankreich, Österreich und Sachsen in Dresden die Wände wackeln. Ganz besonders: wir brachten Dresdner Kids mit den Kollektiven zum gemeinsamen Musizieren zusammen. Eine außergewöhnliche Aktion, die unbedingt wiederholt werden muss!
Richtig groß waren auch wie jedes Jahr die Interkulturellen Tage. An der dreiwöchigen Veranstaltungsreihe beteiligten sich wieder viele der Dresdner Migrantenselbstorganisationen, aber auch Dresdner Theater, Bands, Religionsgemeinschaften, Vereine und Ämter. Schon jetzt haben die Planungen für die IKT 2026 begonnen, die vom 20.9. bis zum 11.10. stattfinden werden.
Fortsetzung folgt…
